Wechselgeld ist eine ziemlich wichtige Sache, natürlich. Aber seit Jahr und Tag habe ich damit ein Problem. Das Problem des 50-Euro-Scheins.
Es ist nämlich so: wenn ich mit der Arbeit beginne, kriege ich genau 30 Euro Kleingeld in die Hand gedrückt. Ich nehme mir jedesmal zwar vor, diesen geringen Vorrat noch selbst zu ergänzen, aber vergesse es dann ebenso oft.
Und natürlich bezahlt gleich der erste Kunde, den ich am Tag habe, mit einem 50-Euro-Schein und hat nur einen Rechnungsbetrag von 9,90 Euro. Das kommt so dermaßen oft vor, dass es nicht mehr schön ist. Ich weiß nicht, wie oft ich schon gesagt habe, “Tut mir leid - ich habe nur 30 Euro Wechselgeld, habe gerade erst angefangen. Haben Sie’s nicht kleiner?” Diese Frage reduziert fast jedesmal drastisch das Trinkgeld. Das blöde ist eben: daran bin ich irgendwie selbst schuld, denn ich kenne das Problem und nehme mir keinen 20-Euro-Schein aus eigener Tasche mit, der es beheben würde. Vielleicht schaffe ich es ja endlich mal nach diesem Eintrag, es mir anzugewöhnen, so schwer kann das ja nicht sein!
Wenn die Leute keinen kleineren Schein haben, dann wird’s problematisch. Wohnen sie um die Ecke, bringe ich ihnen das restliche Geld bei der nächsten Tour vorbei, wenn sie aber weiter weg wohnen, wird es schwieriger. Manchmal fahre ich zum nächsten Geldautomaten und hebe das Geld, was mir fehlt, von meinem Konto ab, manchmal nehme ich ihren Fünfziger und fahre zur nächsten Tankstelle und lasse ihn da wechseln. Ein Kollege hat in so einem Fall der Kundin mal den Vorschlag gemacht, doch bei den Nachbarn zu klingeln und zu fragen, ob diese wechseln könnten. Darauf wurde die Kundin ziemlich wütend und meinte zu diesem Kollegen, es wäre ja wohl sein Problem, ihr das Geld zu wechseln. Ich muss auch sagen, das finde ich nicht gerade eine gute Lösung. Wer weiß denn schon, was für ein Verhältnis sie zu ihren Nachbarn hat? Und sie hat ja auch Recht: es IST unser Problem, das Geld parat zu haben oder nicht.
Ich mag die Leute, die gleich bei der Bestellung am Telefon sagen, dass sie nur einen 50-Euro-Schein haben. Vor allem, wenn der Laden gerade aufgemacht hat, ist das ziemlich schlau, denn dann steht nur noch sehr selten ein Fahrer ohne Wechselgeld vor ihnen.
17 Kommentare
Joachim
20|Jul|2008 1Und was spricht dagegen, dass der Chef einem einfach anfänglich mehr Wechselgeld mitgibt?
(Zumindest 20 Euro, denn etwas größeres als 50 Euro wird man ja selten bekommen.)
hungaaa...
20|Jul|2008 2ich meine auch, dass min. 50 EUR gewechselt - aeh, koennen werden sollten…
Bei Taxen gibt’s sogar eine entsprechende Vorschrift - sinngemaess muss der Fahrer *jederzeit* 50 EUR wechseln koennen…
100 muessen’s ja nicht sein, aber ich erwarte schon, dass 50 EUR machbar sind, und dann muss Fahrer/in halt zwischendurch wechseln.
Das sollte allerdings auch der Chef dann entsprechend ‘eintueten’ - 50 EUR Startwechselgeld, und zwar ’schoen klein’ (also 5-5-10-10-10-Stuecke), sonst muesste man ja zwingend nach dem ersten Kunden schon wechseln fahren…
Wie ist das eigentlich, zahlt ihr nach jeder Tour, oder rechnet ihr am Ende der Schicht alles ab?
Mahlzeit!
Daniel
20|Jul|2008 3Wenn ich bestelle und nur große Scheine im Haus habe dann sage ich das gleich am Telefon, weil ich es einfach nervig finde, wenn der Fahrer eine halbe Stunde später zum zweiten Mal vor der Tür steht um mir das restliche Wechselgeld zu bringen.
Für den Fahrer ist das ja genauso blöd, und ich möchte einfach nicht, dass er wegen mir unnötige Zeit vergeudet, mich dann deswegen mental auf die “Doofe Kunden”-Liste setzt und andere Leute wegen mir länger auf ihr Essen warten müssen.
Wie wäre es denn, wenn du deinem Chef mal vorschlägst, dass die Kunden direkt am Telefon gefragt werden, ob sie mit einem großen Schein zu zahlen gedenken?
Scheint für mich die einzige mögliche Lösung des Problems zu sein …
Zwen
21|Jul|2008 4100€ wechselgeld hat der pizzalieferdienst meines vertrauens am anfang immer dabei, wobei 30€ in Hartgeld dabei sind ;-) und damit gab es noch nie probleme!
pizzafrau
21|Jul|2008 5Ja, doof ist das schon. Ich glaube, das Argument meines Chefs war immer, dass man zB einem neuen Fahrer nicht gleich soviel Wechselgeld mitgeben kann (klar, ist ja möglicherweise mehr als seien Verdienst an dem Abend - nicht, dass der damit abhaut!) und wir haben oft neue Fahrer. Und es ist halt unübersichtlich, wenn alle unterschiedlich viel Wechselgeld haben.
Blöd ist es trotzdem. Ich pack mir jetzt nen 20er extra ins Portemonnaie.
@hungaaa…: Wir rechnen erst am Ende der Schicht alles ab.
Und 100 Euro wechsel ich aus Prinzip nicht. Wenn der Schein falsch ist, zahle ich den aus eigener Tasche, und das Risiko will ich nicht eingehen. Auch wenn deswegen (selten) mal jemand genervt ist.
hungaaa...
22|Jul|2008 6100 EUR nicht zu wechseln, ist voellig ok (ausser vllt. bei Stammkunden, die danach schon am Tel. freundlich fragen)..
Aber das Argument mit dem Abhauen ist ja wohl nur laecherlich… Stellt er kein Auto oder Roller zur Verfuegung? Soll der Fahrer deemnext auch noch Pfand fuer die Styroporkiste zahlen?
Erinnert mich an diesen $%&&$% Lieferdienst, der sich von seinen Fahrern sogar 12 EUR fuer das Firmen-T-Shirt bezahlen liess :/
Mahlzeit!
Zwen
22|Jul|2008 7Ich meinte auch nicht das er nen 100€ Schein wechselt, nur das er soviel Wechselgeld dabei hat. Es müssen nur mal 2 Kunden mit nem 50er bezahlen und dann gibts schon ein Problem das er so nicht hat!
Kat
24|Jul|2008 8hmm vielleicht mag der chef auch einfach nicht, das so viel Geld “stillliegt”?
Schliesslich ist es ja nicht nur 1x 50EUR sondern bei jedem Fahrer…
Zello
25|Jul|2008 910 euro in kleingeld und 40 euro in 5er und 10er scheinen aht sich bei uns bewährt. es passiert aber trotzdem regelmäßig das manche kollgen und auch ich die ersten 3 touren reinkommen und fragen: kann wer kleinmachen?
es geben die wenigsten an am telefon das sie mit 50 oder mehr zahlen möchten.
ich finds nur komisch, früher hat kaum einer mit 100 DM bezahlt, heute bekomm ich am abend locker 3-4 50 EUR in die tasche.
Leser
25|Jul|2008 10Der Pizzalieferdienst, bei dem ich arbeite, hat das ganze folgendermaßen gelöst: Jeder Fahrer bekommt bei Schichtbeginn 50 Euro in die Geldbörse. Vor jeder Fahrt “bezahlt” er beim Kassierer den Rechnungsbetrag und hat so immer passend Geld dabei. Am Schichtende gibt er 50 Euro wieder ab.
Bei Rechnungsbeträgen über 50 Euro wird halt hinterher bezahlt - da sollte der Fahrer dann vor der Fahrt selbstständig mitdenken, falls er kein Kleingeld hat.
Ich halte das für eine sehr praktische Lösung, die sehr erfolgreich seit > 10 Jahren klappt. So läuft der Fahrer auch nicht mit leichtsinnig hohen Geldsummen in evtl. unseriösen Liefergegenden rum…
Bibi
25|Jul|2008 11Unser Pizzalieferant begrüßte uns heute mit den Worten “Ich hoffe, ihr habt es passend - ich habe kein Wechselgeld”. So kommt man natürlich auch an 2.70€ Trinkgeld, nur Freunde macht man sich damit leider keine.
pizzafrau
26|Jul|2008 12@Kat: Ja, ich glaube das war auch mal ein Argument.. wie dem auch sei, er will es einfach nicht, funktioniert ja auch irgendwie so wies jetzt ist…
@Bibi: Das kenn ich (vor allem aus der anderen Perspektive…), ein paarmal hab ich sogar schon mein ganzes Portemonnaie vergessen. Da geben dann die wenigsten Trinkgeld, sondern kramen lieber stundenlang in der Wohnung rum, um es passend zu finden - kann ich auch verstehen.
@Leser: das klingt aber ziemlich zeitaufwendig! Wenn viel los ist, wie macht ihr das dann? Wir hätten die Zeit gar nicht, jedesmal nach der Tour gleich abzurechnen, da müssten wir dann nochmal extra jemanden an die Kasse stellen der das macht. Das mit den geldsummen hab ich mir auch schon mal überlegt, wenns mir zuviel wird deponiere ich es einfach zwischendurch im Laden, bevor am Ende dann alles weg ist…
ToWi
29|Jul|2008 13Ich glaube, wenn man mich mit dem “Bitte passend - ich habe kein Wechselgeld” Spruch begrüßen würde, dürfte man die Pizza direkt wieder mitnehmen.
Ich sage ja schließlich auch vorher, wenn ich nur “großes Geld” habe.
Allerdings scheint da bei meinem Stamm-Dealer eine gewisse Ignoranzhaltung gegenüber den Fahrern zu bestehen. Denn in der Regel heißt es dann, “keine Gedanken machen, ist Problem des Fahrers”.
Was dann eben zu solch kreativen Lösungen wie “Nachbarn fragen” führt. Das dürfen dann allerdings die Fahrer selber machen. :-)
Was das Diebstahlrisiko angeht, das ist auf jeden Fall ein Argument.
Der Pizzablogger schrieb ja auch schon mal, das er deshalb das Wechselgeld der Fahrer reduziert hält.
Und ich kann mich daran erinnern, das es hier vor nicht allzu langer Zeit eine Überfallserie auf Pizzaboten gab (Unter falschem Namen zu einer “wahllosen” Adresse bestellt und dann vor der Tür überfallen).
Leser
01|Aug|2008 14@ Pizzafrau
Kassiert wird VOR der Fahrt. Einen Kassierer haben wir auf jeden Fall im Laden, der macht das halt. Die 10 Sekunden, die das dauert, hat man doch in jedem Fall. Ein “auf-den-Stadtplan-gucken” dauert länger.
Die Kasse und die “Lieferungsausgabe” sind bei uns sehr dicht aneinander. Wenn viiieeel los ist und der Fahrer genügend Kleingeld hat, wird auch mal gesammelt hinterher kassiert - aber eine Dauerlösung ist das nicht…
sir
05|Aug|2008 15die wechselgeldproblematik ist mir bewusst.
aber deine einstellung finde ich sehr gut. die meisten dienste sehen das anders, und werden teilweise ruppig bei dem thema.
immerhin wollen DIE was verkaufen.
Sascha
02|Sep|2008 16Wow, 30€ sind wirklich wenig. Als ich damals(tm) noch Pizzataxi gefahren bin, habe ich zu Schichtbeginn immer 100DM Wechselgeld bekommen - das war 94/95.
Matze
21|Nov|2008 17Ich hatte soeben wieder das Phänomen, dass mein “Stammlieferer” kein Wechselgeld hatte.
Hätte ich mit einem 50€ Schein bezahlen wollen - okay.
Dass er mir auf einen 10€ Schein und einen Rechnungsbetrag von 9€ (inkl. Trinkgeld) nicht rausgeben konnte, da er nur 2€ und 5€ dabei hatte, hat mich in diesem Fall einen Euro ärmer gemacht, da er den eben noch “draufgekriegt” hat… beim nächsten Mal wo sowas passiert ist aber Essig mit Trinkgeld und dann ist es wirklich das Problem des Fahrers.
Irgendwo hört Verständnis dann auch auf.
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